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Moralnormen und Werte

€14.50Preis
  • Wolfgang A. Weiler

    Moralnormen und Werte

    Totalverzicht oder Suchprozeß in Umbruchzeiten?

     

    Warum sollte man nicht

    • nach geklonten Äffchen nun auch Menschen klonen und das Erbgut von Menschen und Tieren zusammenführen,
    • dem homo oeconomicus noch weitere Freiheit geben, um die „Unterschicht“ und ganze Länder zu verarmen,
    • die Fake-News-Kultur zum Master-Studienfach machen und Lügenstorys effektivieren,
    • Wahlen durch auf „Persönlichkeitsprofilen“ beruhende Algorithmen-Entscheidungen ersetzen usf.?

     

    Erweisen nicht tagtäglich Meldungen und Schilderungen zu Raub, Vergewaltigung, Mord und anderen Gewaltverbrechen ohnehin den praktizierten Totalverzicht auf Moralnormen und Werte?
    Doch Panikmache und Zynismus sind nicht die besten Instrumentarien gegen Horrorszenarien.
    In offener Debatte wäre genauer zu überlegen und besser zu begreifen,

    • wie all das Erregende begründet ist und zusammenhängt,
    • wodurch es angetrieben wird und wohin es noch führen könnte,
    • welche Rolle „Moralnormen und Werten“ dabei spielen,
    • und was also beizutragen wäre zur Bewahrung menschlicher Existenz.

    Denn kein Prophet wird neue Normen und Werte für unsere wild rotierende Welt vom Berge holen.

     

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    Rezension

    von Dr. Elke Neuke, Überlingen

     

    Bemerkungen zu: Wolfgang A.Weiler

    Moralnormen und Werte – Totalverzicht oder Suchprozeß in Umbruchszeiten ?

    Essay

    Garamond Verlag – der Wissenschaftsverlag

    Auf der letzten Umschlagseite steht ein wichtiger Satz: „Panikmache und Zynismus sind nicht die besten Instrumentarien gegen Horrorszenarien“.

    Ja, das, was wir heute und seit schon geraumer Zeit tagtäglich hautnah selbst erleben oder durch unsere allgegenwärtige mediale Vernetzung ins Bild gesetzt bekommen, ob wir wollen oder nicht, kann einem schon Angst machen.

    Aber: Der Essay „ Moralnormen und Werte – Totalverzicht oder Suchprozeß in Umbruchzeiten ?“ ist eine nüchterne Analyse gegenwärtiger besorgniserregender Zustände und Vorgänge – ob es die, den Erdball und damit uns selbst vernichtende Umweltzerstörung ist, ob es die (tatsächlichen oder vermeintlichen) Auswüchse der bereits existierenden oder künftigen künstlichen Intelligenz sind oder aber die überall zu beobachtende Entgleisung im menschlichen Zusammenleben, Entgleisungen, die im Verhalten mancher Normalbürger und – bürgerinnen ebenso zu finden sind wie im Verhalten mancher Funktionsträger in Wirtschaft, Politik etc.

    Eines vorweg: Es ist keine leichte Kost . Es ist ein kleines Büchlein mit vielen Fragezeichen, die aber methodische Bedeutung haben. Fragezeichen, die sehr real zum g e m e i n s a m e n Disput, zum Gedankenaustausch hinführen können, ja auffordern; schließlich irgendwann zur Ideen- resp.Lösungsfindung .

    Der Essay weist den Leser auf aktuelle Problemstellungen hin, die ihn vielleicht noch gar nicht bewußt tangiert haben oder die er (der Leser) noch gar nicht betrachtet hat in Hinblick auf moralische Wertorientierungen in seinem eigenen Handeln ? Insbesondere in seinem Berufsleben, oder noch besser : in der Vorbereitung auf das Berufsleben, in Studium, Ausbildung, Weiterbildung. Interessant auch an dieser Stelle der Verweis auf studentische Ethikausbildung, die nahe an deren künftige berufliche Praxis angelegt war. (S. 137)

    Das Buch läßt keinen Zweifel daran, dass es sich an alle wendet (Experten und Nichtexperten , mündige Menschen, Normalbürger), denn „Demokratie kann nicht funktionieren ohne sachkundiges Denken und Fühlen.

    Wie anders wäre Mitverantwortung für das Morgen und Übermorgen unserer Gesellschaft und Welt zu übernehmen, Beteiligung am kollektiven Entscheiden über Schlüsselfragen, eben gemeinsame „Wegweisungen“ an besagter Kreuzung.“ (S.9)

    Ja, man kann sagen, es ist ein Plädoyer für die Verantwortung des Einzelnen, sich daran, in unterschiedlichem Maße sicherlich, zu beteiligen.

    Dieses Büchlein zeichnet sich dadurch aus, dass es niemals mit dem moralischen Zeigefinger droht. Es „moralisiert“ nicht. Es verweist „lediglich“ immer und immer wieder darauf, dass der Einzelne sich doch bitteschön um ein Hinterfragen von „Antworten“ und Erklärungen, von Beurteilungen und Interpretationen o.g. Vorgänge bemühen sollte. Und es gibt Hinweise darauf, was und wie der Einzelne hinterfragen sollte, um sich auf die Suche nach den „richtigen“, will heißen moralisch positiven, also Werte fördernden Handlungsentscheidungen begeben zu können.

    Eines wird aber klar gemacht: Ohne Begriffsarbeit geht es nicht.

    Jeder noch so engagierte streitbare ernsthaft besorgte Einzelne kann u.U. mit sehr unterschiedlichem Vokabular operieren. Deshalb ein paar grundsätzliche Begriffsangebote:

    Moral: jene spezifische geistige gesellschaftliche Wirkkraft, die in Form von Bewußtsein (Empfindungen, Überzeugungen….) auftritt, sich äußert in Gestalt von Wertungen und (Verhaltens)Forderungen und tatsächlichem Verhalten (Tun und Unterlassen), sowie konkret artikuliert wird in Form von (Verhaltens)Normen und Prinzipien……..

    Der Inhalt jeder Moral widerspiegelt eine gesellschaftliche Übereinkunft in der Weise, dass menschliches Verhalten dahingehend gewertet resp.gefordert wird, ob es gemeinschaftlichen Interessen entspricht (Gut) oder zuwiderläuft (Böse)

    Werte: alle Arten materieller, sozialer, geistiger Gegebenheiten (Erscheinungen, Prozesse, Beziehungen…), die für die gegebene Gemeinschaft bedeutsam, weil (über)lebenswichtig sind ( oder lebensbedrohend, dann Unwerte )….an anderer Stelle heißt es den Existenz-und Entwicklungsinteressen der gegebenen Gemeinschaft ent ( d.h. Wert)-oder wider (d.h. Unwert) – sprechen.

    Moral hat also immer und sehr nahe mit Werten und Vorstellungen von Werten (Wertvorstellungen) zu tun,

    vor allem aber mit ihnen zugrundeliegenden (existentiellen, d.h. lebensnotwendigen) Interessen von Gemeinschaften / Gesellschaften bis hin zur „Weltgemeinschaft“….

    Dieser Gedanke ist methodisch ganz wichtig, durchzieht auch das ganze Buch, weil er letztlich hinführen kann zum Auffinden der gesuchten Wegweiser und weil er dazu beiträgt, der Moral neben Ökonomie und Politik und Sozialem und Recht den notwendig wichtigen konstitutiven Platz zuzuweisen, den eben auch sie in einer Gesellschaft innehat.

    Am Beispiel des Alten Testaments und der 10 Gebote exemplifiziert der Autor den Zusammenhang von Moral und Werten und Normen (als Handlungsgeboten) und stellt fest : „ So dürfen die tradierten „10 Gebote“ wohl durchaus als allgemeines Modell für die Beziehungen zwischen Werten und Normen angesehen werden“ (S.17), auch wenn oberster Normen-und Gesetzgeber heute nicht mehr Gott ist, sondern, namentlich seit der Aufklärung, ein „allgemeines, humanistisch verstandenes Vernunftgesetz“ist.

    In immer komplexer werdenden Gesellschaften ( zahlenmäßiges Wachstum der Gemeinschaften, der Menschengruppen, wachsende Vielzahl von Verhaltensmöglichkeiten, wachsende (weltweite) Zusammenhänge) bedarf es eines NebeneinanderExistierens von allgemeinsten moralischen Prinzipien und konkreten moralischen Handlungsnormen, um übereinstimmende und kooperative Verhaltens-und Handlungsorientierungen zu gewährleisten sowie das vielfältige (mögliche) Verhalten zu steuern.

    Im Abschnitt „ Gemeinschaftswerte und Normen“ werden die verschiedenen Gemeinschaften (Völker, Staaten, Gemeinden) zueinander ins Verhältnis gesetzt und deren Lebenssituationen, daraus erwachsende Lebensnotwendigkeiten und Interessen, davon abgeleitete Werte (Wertvorstellungen, Wertprioritäten) sowie daraus sich ergebende Normen und Handlungsorientierungen als sehr differenziert beschrieben. Gerade deswegen wird sehr eindrücklich von der Notwendigkeit gesprochen, all diese Differenzen wahrzunehmen und trotz alledem wenigstens den kleinsten gemeinsamen Nenner finden zu wollen.


     

    Im Kapitel „Moralische Unübersichtlichkeiten“ und im „Nachgespräch“ wird es richtig interessant.

    Hier werden zahlreiche , höchst aktuelle Beispiele, moralisch relevante Problemsituationen aus allen möglichen Lebensbereichen beschrieben. Manche dieser Beispiele sind sicher vielen Lesern vertraut ( unter dem Begriff dual-use-Produkte z.B.militärische Nutzung von Wissenschaft ), von manchen hat man schon irgendwie gehört ( beispielsweise BIG DATA) und erhält hier interessante Zusatzinformationen, manches ist dem einen oder anderen Leser sicher auch neu.

    Man hat den Eindruck, dass manch ein Beispiel es verdiente, ausführlicher und gesondert publiziert zu werden. Vielleicht sogar im Format eines Sammelbandes, in dem Spezialisten und Engagierte zu Wort kommen und Argumente und vor allem Sachwissen austauschen. Denn, „ Wertvorstellungen und moralische Forderungen scheinen stets abhängig von Sachlage und Sachkenntnissen, wenn man so will `von zureichendem und genauem ´ Wissen und Daten – über die einzelnen beteiligten Faktoren, das raum-zeitliche Umfeld, Folgen und Folgefolgen differenter bzw. alternativer Vorgehensweisen. Warum steht dieses Wissen keineswegs allen an begründeten Wertungen und moralischen Forderungen Interessierten hinreichend zur Verfügung ?“ (S.40 ff.)

    Da sind m.E. in der Politik Tätige aufgefordert , nicht soviel hinter verschlossenen (Lobby)Türen auszuhandeln, da sind in den Medien Tätige gefordert, sich um wirklich wichtige Themen solide und ernsthaft zu bemühen, jenseits der Einschalt-und sonstigen Quoten , da sind Wissenschaftler gefordert, ihr Wissen transparent zu machen, da sind HochschulLehrer aufgerufen, künftige Absolventen umfassender auf ihre Verantwortung im späteren Beruf vorzubereiten; und da ist jeder Einzelne gefordert, über seinen eigenen Tellerrand hinauszugucken und zu begreifen, dass wir alle nur ein Teil in einer gemeinsamen Welt sind und dass heute Menschen – wir eingeschlossen – mehr denn je aufeinander angewiesen sind. Dieses Nach-Denken und Nach-Fragen macht Mühe, erfordert auch Mut, macht Arbeit, und das Aushalten von Problemen, deren Lösung wir (noch) nicht haben tut manchmal richtig weh. Das sind wir alle nicht gewohnt.

    Den Geist dieses Essays fand ich in einem kürzlich gelesenen Interview1 mit dem Psychologen und Schriftsteller Frido Mann, einem Enkel von Thomas Mann, wieder, in dem er beschreibt, wie wichtig , lebenswichtig für den Erhalt demokratischer Gesellschaftsstrukturen und für das ÜberLeben auf diesem Planeten es ist, immer und immer wieder miteinander zu sprechen, zu kommunizieren und sich auf G e m e i n s a m k e i t e n zu besinnen. Auf die Frage: „...wer sind heute die Barbaren, gegen die es sich zu wappnen gilt…?“, antwortet er:

    Es sind die Kreise, die versuchen, Kommunikation zu unterbinden und die Demokratie zu hemmen und auszuhebeln. ….Die Bedrohung und die Barbarei kommen eher von innen.“

    Möge dieser Essay von Wolfgang A. Weiler viele Leser finden, die miteinander kommunizieren.

     

    ¹ Stuttgarter Zeitung vom 19.09.2018